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konzerte
  PYTHAGORAS’ ERBEN neue musik aus der türkei
samstag, 11. november 2006
museum für musikinstrumente im grassimuseum leipzig, zimeliensaal
beginn: 20:00 uhr
einlass ab 19:30 uhr
eintritt: 12,- € / ermäßigt: 8,- €
veranstalter: musik im blickfeld der gegenwart e.v. in kooperation mit dem musikinstrumenten-museum der universität leipzig
  programm

taner akyol (*1978)
der anfang für streichquartett und
hatirlamalar für baglama und streichquartett (uraufführung)

yigit aydin (*1971)
okzidentierung für ensemble (auftragswerk des ensemble leipzig 21, uraufführung)

stefan pohlit (*1976)
der zerrissene orpheus für harfe und ensemble (auftragswerk des ensemble leipzig 21, uraufführung) und
osmanische hofmusik des 17. und 18. jahrhunderts in transkriptionen für gesang und ensemble

dimitri terzakis (*1937)
oktoechos für klarinette, fagott, horn und streichquintett

  mitwirkende
ensemble leipzig 21
hannes pohlit, leitung
susen schneider, sopran
taner akyol, baglama
andreas wehrenfennig, harfe
  pressetext

PYTHAGORAS’ ERBEN


fast hundert jahre sind vergangen, seit rauf yektabey, der letzte große musiker, komponist und musiktheoretiker des osmanischen reiches, 1907 in einem französischen feuilleton zum ersten mal eine musikalische vereinigung des orients mit dem westen heraufbeschwor, eine utopische neuerfindung der beiden musik- und denktraditionen, die ihre nebulösen ursprünge gemeinsam auf den namen pythagoras zurückführen. während die türkische republik bald darauf ein dem abendland nachempfundenes musikleben begründete, wurde das multikulturelle erbe der vergangenheit in seiner bis dahin natürlichen entwicklung gleichsam eingefroren. es galt als politisch verdächtig, und mögliche neuerungen, wenn anders als in form einer genuinen ver-westlichung, werden bis heute bestritten.

unser drittes konzert strebt daher nach einer neudefinition moderner kultureller identität. musik unserer zeit soll an diesem abend aus dem blickwinkel des ostens heraus eine neue bewertung erfahren. das einzigartige repertoire der osmanischen hoftradition soll in seinen potenzialen neu erschlossen werden; denn überraschenderweise hätten die pythagoreischen tonsysteme zu beginn des 20. jahrhunderts auf grund ihrer eigenen spannungskräfte wieder verschmelzen können. die sorgsam ausgewählten originalkompositionen wurden exklusiv für die besetzung des ensembles leipzig 21 bearbeitet und an den praktiken der moderne gebrochen.

die unweigerlich politische dimension dieser annäherung ist als bewusste friedensbotschaft intendiert. um die zusammengehörigkeit der beiden traditionen zu verdeutlichen, werden werke von komponisten unterschiedlicher herkunft erklingen, die ihre position bewusst in diesem kontext suchen. dabei werden drei uraufführungen erklingen. im mittelpunkt stehen zwei junge türkische komponisten, die in deutschland leben und arbeiten: taner akyol (*1977), der auch als solist auf der langhalslaute baglama zu hören sein wird, und yigit aydin (*1973), der als soziologe und musikwissenschaftler derzeit in marburg promoviert. stefan pohlit (*1976) hat sich aus biografischen und künstlerischen beweggründen seit vielen jahren dem islamischen orient zugewandt. der international berühmte emeritierte kompositions-professor der leipziger musikhochschule, dimitri terzakis, hat sich in seinem lebenswerk um die rehabilitierung der antiken ursprünge abendländischer musik bemüht und wichtige ansätze in der folklore seiner griechischen heimat gefunden.

 
 
 
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